{"id":335,"date":"2025-10-03T18:41:00","date_gmt":"2025-10-03T16:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/janescher.de\/?page_id=335"},"modified":"2025-10-03T18:41:01","modified_gmt":"2025-10-03T16:41:01","slug":"aufzucht-und-auswilderung-eines-waldkauzes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.eulenforschung.de\/index.php\/aufzucht-und-auswilderung-eines-waldkauzes\/","title":{"rendered":"Aufzucht und Auswilderung eines Waldkauzes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im April 2021 gelangte ein junger <a href=\"http:\/\/janescher.de\/index.php\/der-waldkauz-strix-aluco\/\" data-type=\"page\" data-id=\"117\"><strong>Waldkauz (Strix Aluco)<\/strong><\/a> in die Obhut der FOGE. Er konnte erfolgreich gro\u00dfgezogen und ausgewildert werden. Da junge Waldk\u00e4uze regelm\u00e4\u00dfig bei Vogelauffangstationen und anderen qualifizierten Vogelsch\u00fctzern abgegeben werden, m\u00f6chten wir diesen Fall exemplarisch n\u00e4her erl\u00e4utern: Am 2. April wurde bei uns ein Waldkauz-Nestling abgegeben, nachdem er zuvor mit zwei bereits verhungerten Geschwistern in einem Wald geborgen worden war. Er war knapp zwei Wochen alt und befand sich in einem schlechten Ern\u00e4hrungszustand. Da er nicht um Futter bettelte, musste er gestopft werden. Sein Zustand verbesserte sich fortw\u00e4hrend. Es dauerte nicht lange, bis er anfing, aktiv um Futter zu betteln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"http:\/\/janescher.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Nestling.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-333\" srcset=\"https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Nestling.jpg 800w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Nestling-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Nestling-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Nestling-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Nestling-240x180.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Unser Jungvogel &#8211; knapp zwei Wochen alt<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Handaufzucht oder Ammenaufzucht?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Handaufzucht von Waldk\u00e4uzen in der Regel unkompliziert ist, suchten wir nach M\u00f6glichkeiten, ihn einer Waldkauzbrut in der freien Natur unterzuschieben (\u201eAmmenaufzucht\u201c). Das hat mehrere Vorteile: Erstens der praktische Grund, dass man sich die zeitaufwendige Handaufzucht spart. Zweitens, dass man eine Fehlpr\u00e4gung oder zu starke Gew\u00f6hnung an den Menschen vermeidet. Und drittens, dass der Jungkauz bessere \u00dcberlebenschancen hat, wenn ihm der Beutefang von echten Waldkauzeltern beigebracht wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"576\" src=\"http:\/\/janescher.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Aufzucht-768x576-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-336\" srcset=\"https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Aufzucht-768x576-1.jpg 768w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Aufzucht-768x576-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Aufzucht-768x576-1-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Aufzucht-768x576-1-240x180.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rund drei Wochen sp\u00e4ter war der Kauz kaum wiederzuerkennen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Voraussetzungen f\u00fcr die R\u00fcckf\u00fchrung in die Natur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da Eulen, wie die meisten V\u00f6gel, nicht z\u00e4hlen k\u00f6nnen, werden \u201euntergeschobene\u201c Jungv\u00f6gel in den meisten F\u00e4llen angenommen und genauso versorgt wie der eigene Nachwuchs. Voraussetzung dabei ist, dass sich die eigenen Jungv\u00f6gel und der Neuzugang etwa im gleichen Alter befinden. Au\u00dferdem muss eine ausreichende Nahrungsverf\u00fcgbarkeit gew\u00e4hrleistet sein. Leider war uns in der Umgebung keine Waldkauzbrut mit gleichaltrigen Jungv\u00f6geln bekannt, bei welcher die Bruth\u00f6hle per Leiter zu erreichen w\u00e4re. Am 25. April sahen wir unsere Chance: Am Vortag hatten zwei Jungv\u00f6gel ihre Naturh\u00f6hle in einer Pappel in ca. 15 Meter H\u00f6he verlassen. Sie befanden sich im fortgeschrittenen \u00c4stlings-Stadium und konnten bereits sicher klettern und kurze Strecken fliegend zur\u00fccklegen. Unser Kauz befand sich in einem \u00e4hnlichen Entwicklungsstadium. Wir nutzten also die Gelegenheit zur Auswilderung. Zun\u00e4chst beringten wir unseren Kauz, um ihn sp\u00e4ter von den anderen Jungv\u00f6gel unterscheiden und ihn im schlimmsten Fall bei einem sp\u00e4teren Totfund identifizieren zu k\u00f6nnen, packten ihn die Transportbox und fuhren in das zur Auswilderung vorgesehene Revier.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"513\" src=\"http:\/\/janescher.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Altvogel-768x513-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-337\" srcset=\"https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Altvogel-768x513-1.jpg 768w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Altvogel-768x513-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Altvogel-768x513-1-269x180.jpg 269w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die angehende Ammenmutter hat ihr Brutrevier st\u00e4ndig im Blick<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ablauf der Auswilderung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor Ort angekommen setzten wir den Kauz auf einen ausreichend hohen Ast, von dem er die M\u00f6glichkeit hatte, weiter in die H\u00f6he zu klettern.Die Auswilderung geschah unter den wachsamen Augen mindestens eines Altvogels in einem der Nachbarb\u00e4ume. Da Waldk\u00e4uze ihren Nachwuchs in der Regel erst bei Dunkelheit f\u00fcttern, konnten wir nicht beobachten, ob die F\u00fctterung bereits in der ersten Nacht klappte. In den Folgetagen behielten wir den Jungvogel per Fernglas regelm\u00e4\u00dfig unter Beobachtung. Wir konnten feststellen, dass er sich im Astwerk immer weiter nach oben arbeitete und fast jeden Tag in einem anderen Baum sa\u00df. Sein Komfortverhalten (Gefiederpflege, Strecken der Fl\u00fcgel) sprach f\u00fcr Wohlbefinden, bzw. einen weiterhin guten Gesundheits- und Ern\u00e4hrungszustand. Zudem konnten wir in der D\u00e4mmerung seine Bettelrufe h\u00f6ren, auf die jeder Altvogel instinktiv reagiert. Wir k\u00f6nnen uns daher sicher sein, dass die Eingliederung des Kauzes in seine neue \u201eFamilie\u201c geklappt hat und die Auswilderung daher erfolgreich war. Von einer Zuf\u00fctterung mit M\u00e4usen oder Eintagsk\u00fcken sahen wir aufgrund des momentan reichlichen M\u00e4usevorkommens ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" src=\"http:\/\/janescher.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Auswilderung-768x512-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-338\" srcset=\"https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Auswilderung-768x512-1.jpg 768w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Auswilderung-768x512-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.eulenforschung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Waldkauz-Auswilderung-768x512-1-270x180.jpg 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Unser Jungvogel wenige Tage nach der Auswilderung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nestling oder \u00c4stling?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Geschichte ist nur ein Beispiel f\u00fcr eine erfolgreiche Aufzucht und Auswilderung \u2013 und zwar in einem Fall, in dem es notwendig war, den Jungvogel in menschliche Obhut zu nehmen. Immer wieder werden junge Waldk\u00e4uze im so genannten \u00c4stlingsstadium von Spazierg\u00e4ngern gefunden und bei Experten zur weiteren Aufzucht abgegeben \u2013 in der falschen Annahme, dass es sich um verlassene Jungv\u00f6gel handelt, die ohne menschliche Hilfe keine \u00dcberlebenschance mehr h\u00e4tten. Ab einem Alter von rund 30 Tagen k\u00f6nnen Waldk\u00e4uze bereits den Brutplatz verlassen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch nicht flugf\u00e4hig, k\u00f6nnen aber gut laufen und klettern. Wenn sie bei ersten Flugversuchen auf den Boden st\u00fcrzen, suchen sie instinktiv die M\u00f6glichkeiten, nach oben zu klettern. Oft wirken \u00c4stlinge apathisch \u2013 auch das t\u00e4uscht. Ihre Regungslosigkeit am Tag soll davor sch\u00fctzen, von Fressfeinden entdeckt zu werden. Sollte man solch eine Jungeule in einem Geb\u00fcsch sitzen sieht, besteht in der Regel KEIN Handlungsbedarf. Er wird von den Altv\u00f6geln weiter gef\u00fcttert. Eine Handaufzucht w\u00e4re vollkommen unn\u00f6tig. Sollte der \u00c4stling direkt am Boden oder an einer aus anderen Gr\u00fcnden ung\u00fcnstigen Position sitzen, ist es allerdings sinnvoll, ihn in einen nahegelegenen Baum zu setzen, damit er sicher vor F\u00fcchsen, Katzen oder Hunden ist. Die Sorge, die Eltern k\u00f6nnten ihn wegen des menschlichen Geruchs nicht mehr annehmen, ist bei V\u00f6geln unbegr\u00fcndet. Sollte ein \u00c4stling direkt an einer viel befahrenen Stra\u00dfe gefunden werden, sollte dennoch ein Experte zu Rate gezogen werden. Achtung: Waldk\u00e4uze verteidigen ihre Jungv\u00f6gel und k\u00f6nnen im lautlosen Flug mit spitzen Krallen von hinten angreifen, wenn man ihrem Nachwuchs zu nahe kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserem Fall handelte es sich um keinen \u201e\u00c4stling\u201c, sondern um einen \u201eNestling\u201c: Einen Nestling erkennt man abgesehen von der geringen Gr\u00f6\u00dfe u.a. dadurch, dass er noch nicht aufrecht stehen oder gehen kann. Er h\u00e4tte keine M\u00f6glichkeiten, nach oben zu klettern und w\u00e4re leichte Beute f\u00fcr jeden Beutegreifer. Wenn ein Nestling am Waldboden aufgefunden wird, muss zuvor eine \u201eKatastrophe\u201c passiert sein. In diesem Falle ist es notwendig, einen Experten zu Rate zu ziehen, damit der Nestling professionelle Hilfe bekommt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontaktm\u00f6glichkeiten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollten Sie im Kreis Ludwigsburg oder Umgebung eine hilfsbed\u00fcrftige Jungeule oder einen verletzten Altvogel finden, kontaktieren Sie uns bitte. Wir weisen darauf hin, dass wir nur \u00fcber sehr begrenzte Kapazit\u00e4ten verf\u00fcgen. Sollten wir keinen Platz haben, den Vogel aufzunehmen, vermitteln wir aber gerne den Kontakt zu anderen Experten und Pflegestationen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-fill\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"http:\/\/janescher.de\/index.php\/kontakt\/\">Kontakt aufnehmen<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 2021 gelangte ein junger Waldkauz (Strix Aluco) in die Obhut der FOGE. Er konnte erfolgreich gro\u00dfgezogen und ausgewildert werden. 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