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Steinkäuze fliegen mit Sender

Leben der Eulenvögel wird wissenschaftlich erforscht - Pilotprojekt startet jetzt

 

Vaihingen/Oberriexingen

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Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Steinkäuze auf einer so großen Fläche wie im Landkreis Ludwigsburg.

deshalb interessieren sich jetzt Wissenschaftler für die Vögel und dokumentieren zwei Jahre lang das Leben der noch immer bedrohten Eulenart, und zwar mit ausgeklügelter Technik und kleinen Sendern. Gestern ist das Projekt in Vaihingen gestartet.

 

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Von Andrea Nicht-Roth

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Vorgestellt wurde es im Haus der Firma Ensinger. Gäbe es die Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen, kurz "Foge" genannt nicht, wären die Tiere wohl auch im Kreis Ludwigsburg bereits ausgestorben.

 

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30 Jahre - und der Steinkauz war fast ausgestorben

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In den 1950 er Jahren konnte von Gefährdung noch keine Rede sein. 500 bis 800 Steinkauzpaare brüteten in Baden- Württemberg in einer weitgehend ungestörten Landschaft. 30 Jahre später gehörte der Steinkauz zu den bedrohten Tierarten. 1984 wurden nur noch etwa 250 Paare gefunden. Auch der Kreis Ludwigsburg - mit seinen ausgedehnten Obstbaumgebieten ein in Steinkauzkreisen begehrtes Revier - war 1990 bis auf wenige Paare entvölkert. Asphalt und Beton hatten sich immer weiter in den Lebensraum der Steinkäuze hineingefressen.

Dann kam Herbert Keil und seine Mitstreiter, zählten den Bestand, hängten Nisthilfen auf und leisteten unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit. Mit Erfolg: Im vergangenen Jahr sind 583 Küken geschlüpft, in 32 Kreisgemeinden gibt es inzwischen wieder Steinkauzpopulationen, über 700 Nisthilfen haben Keil und seine Aktivisten auf Obstbaumwiesen angebracht.

Dieses Engagement hat sich herumgesprochen. Vor einiger Zeit sind das Max-Planck-Institut für Ornithologie und die Vogelwarte Radolfzell sowie die schweizerische Vogelwarte Sempach auf die schwäbischen Eulenschützer aufmerksam geworden. "Herbert Keil war ein Volltreffer für uns" schwärmte gestern Projektleiter Dr. Beat Naef-Daenzer von der schweizerischen Vogelwarte. Jetzt soll das Leben der Steinkäuze im Kreis Ludwigsburg wissenschaftlich erforscht werden. An der Untiversität Zürich entsteht mit diesen Daten eine Doktorarbeit, an der Universität Marburg eine Bachelor-Arbeit. Die Wissenschaftler interessieren sich vor allem für die Frage, wie viele Steinkäuze überleben,wohin die Jungvögel wandern, wenn sie das elterliche Nest verlassen und wie sie ihren Lebensraum nutzen.

Um das herauszufinden, werden zunächst 40 Käuze mit kleinen Sendern ausgerüstet, deren Signal über 30 Kilometer empfangen werden kann. Ziel dieser Grundlagenforschung ist es, die bisher noch vereinzelten Steinkauzpopulationen besser zu bernetzen. Und wozu das alles? Steinkäuze sind gute Umweltindikatoren; Überall wo Steinkäuze leben, ist auch der Lebensraum für viele andere Tier- und Pflanzenarten noch - oder wieder - intakt. Das Projekt, dessen Finanzierung für zwei Jahre gesichert ist, startet genau jetzt: Denn jetzt beginnt die Brutzeit bei den Steinkäuzen. Sind die Jungen geschlüpft, werden sie beringt und 15 Tage später, wenn sie fast ausgewachsen sind, mit einem sieben Gramm leichten Sender ausgestattet, der optisch im Federkleid verschwindet, nur eine Antenne ragt hervor.

 

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Die gerade flügge gewordenen Vögel holt der Fuchs

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Dann können die Forscher den weiteren Weg der jungen Käuze verfolgen. So viel haben die Wissenschaftler schon herausgefunden: Am gefährlichsten ist die Zeit des Flüggewerdens; Käuze mit noch wenig Flugerfahrung werden schnell Beute von Füchsen, Mardern oder Bussarden. Je besser ernährt die Jungvögel sind, desto eher überleben sie und in diesem Jahr ist der Tisch für Käuze trotz des langen Winters mit Mäusen und Maikäfern reichlich gedeckt.

Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Wissenschaftlicher nun darüber, o sich die Tiere niederlassen, nachdem sie das elterliche Nest verlassen haben. Große Populationen gibt es bisher in Kleinsahsenheim, Großbottwar und zwischen Marbach und Ludwigsburg.

Wer also ab Mitte Mai bis Ende Juni Menschen mit Antennen in der Hand durch die Dämmerung schleichen sieht: Bitte nicht die Polizei rufen. Es sind Eulenforscher im Einsatz.