Ein Schutzprogramm für die einst verrufenen "Totenvögel"
Bei Herbert Keil dreht sich alles um die kleinen Steinkäuze - im Kreis gibt es inzwischen wieder 80 Brutpaare
Oberriexingen - Seit einem Jahrzehnt setzt er sich für die Vögel mit dem einst schlechten Ruf ein: Herbert Keil ist der Leiter des Artenschutzprojekts Steinkauz.
Einfach hat es der Steinkauz nie gehabt. In fast allen Kulturen galt er seit je als Unglücksvogel und Todesbote. Dieses schlechte Image hat der kleine Kerl dem Aberglauben zu verdanken: Sein Ruf, ein lautes und deutliches "Kiwitt! Kiwitt!" verstanden die Menschen als "Komm mit! Komm mit!" Erstaunlich oft, so wird berichtet, tauchte der Kauz bei Sterbenden auf.
Des Rätsels Lösung ist indes ganz einfach. Die meisten Menschen starben früher Zuhause. Nachts brannte deshalb häufig das einzige Licht im Zimmer des Schwerkranken. Viele Insekten flogen zu dem Licht. Die wiederum jagte der Kauz und flog so direkt vor die Fenster des Sterbenden oder Todkranken. Natürlich rief er dabei auch. Und schon war der Aberglaube des Todesboten geboren.
Heutzutage hat der Steinkauz mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. "Durch die ausgeräumte Landschaft gibt es nicht mehr viel geeignete Lebensräume für den sympathischen Eulenzwerg", erläutert der Steinkauz-Experte Herbert Keil aus Oberriexingen. "Besonders tragisch ist, dass der Steinkauz kaum noch Brutmöglichkeiten findet. Hohle Bäume sind selten geworden."
Herbert Keil, im Hauptberuf bei den Stadtwerken Vaihingen beschäftigt, ist Leiter des Artenschutzprojektes Steinkauz. In Zusammenarbeit mit Kreisgemeinden, Landratsamt und einigen ehrenamtlichen Helfern hat er in den vergangenen zehn Jahren viel für den einst geschmähten Todesvogel erreicht. Hunderte von Nisthöhlen hängen in den Bäumen des Kreisgebietes. "Die wurden im Laufe der Jahre gut angenommen", freut sich Keil. "Rund 80 Brutpaare des selten gewordenen Vogels leben wieder hier." In ganz Baden-Württemberg wird die Zahl der Brutpaare auf knapp 200 geschätzt.
Das Artenschutzprojekt wird von der Vogelwarte Radolfzell wissenschaftlich begleitet. Keil, der nach entsprechenden Lehrgängen und Prüfungen ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte ist, vermisst und beringt die Käuze im Rahmen einer lang angelegten Populationsuntersuchung. Um die Vögel zu fangen, hat er eigens eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart.
Bei seinen Kontrollgängen wird alles peinlich genau dokumentiert. Aus den so gewonnenen Daten und durch Erkenntnisse aus Ring-Wiederfunden können dann bestandsstützende Maßnahmen abgeleitet werden. Der älteste beringte Steinkauz wurde übrigens mehr als 15 Jahre alt.
Der Speiseplan der Käuze ist reichhaltig. "Insekten, Kleinsäuger, Vögel, Reptilien und Amphibien werden erbeutet", führt Herbert Keil aus und fährt fort: "Ganz wichtige Jagdreviere für den Steinkauz sind unbefestigte Wege und gemähte Streuobstwiesen. Im hohen Gras kann der Kauz fast nichts erbeuten."
Im Landkreis Ludwigsburg findet er noch genügend Nahrung. Herbert Keil und seinen Mitarbeitern wird so die Arbeit nicht ausgehen. (stu)